Emma (Zeitschrift).html

 
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Emma
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Beschreibung Politisches Magazin
Fachgebiet Frauenrechte
Sprache deutsch
Verlag Emma Frauenverlags GmbH
Erstausgabe 26. Januar 1977
Erscheinungsweise zweimonatlich
Auflage
(IVW)
44.687 Exemplare
Verbreitete Auflage
(IVW)
46.092 Exemplare
Herausgeber Alice Schwarzer
Weblink www.emma.de
ISSN 0721-9741

Emma (eigene Schreibweise EMMA) ist eine zweimonatlich erscheinende deutschsprachige politische Zeitschrift des Feminismus. Sie wurde Ende der 1970er Jahre von der deutschen Feministin Alice Schwarzer gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Entwicklung

Die erste Emma erschien am 26. Januar 1977 mit einer Auflage von rund 200.000 Stück. Den Start des Magazins finanzierte Alice Schwarzer mit 100.000 Mark aus ihren Autorenhonoraren sowie mit 150.000 Mark aus Krediten von Unterstützern. Der Name wurde wegen seiner Griffigkeit und als Wortspiel auf „Emanzipation“ gewählt. "Emma" gilt seit der ersten Ausgabe als Leitblatt der Frauenbewegung in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Sie will sich ausdrücklich politisch und wirtschaftlich unabhängig positionieren; laut eigenen Aussagen kann sie alleine vom Kioskverkauf und Abonnementsgebühren existieren und ist nicht auf Anzeigen angewiesen. Die verkaufte Auflage betrug im 2. Quartal 2007 44.687 Exemplare, davon waren 27.568 Abonnements.[1] Nach Angaben von Alice Schwarzer finanziert sich "Emma" anders als die meisten anderen Magazine zu 90 Prozent aus dem Heftverkauf und nur zu 10 Prozent aus dem Anzeigengeschäft.

Anfang Dezember 2007 gab Schwarzer bekannt, die Chefredaktion von Emma spätestens im Frühjahr 2008 an die Fernsehjournalistin und Kolumnistin Lisa Ortgies zu übergeben.[2][3] Schwarzer erklärte weiterhin als Verlegerin, Herausgeberin und als Autorin mitzuwirken. Zum 30. Juni 2008, 6 Monate nach ihrem Antritt, hat Ortgies die Zeitschrift jedoch wieder verlassen.

Bearbeiten Inhalte

Emma hat sich nach eigener Aussage immer für die „Sache der Frau“ und für uneingeschränkte Chancengleichheit von Frauen und Männern eingesetzt, was sich aus Sicht des Magazins in konkreten Projekten ausdrücke, die von Emma unterstützt oder in einigen Fällen auch initiiert wurden, zum Beispiel:

1978 verklagte die Publikation das Magazin stern im Rahmen der sogenannten Sexismus-Klage erfolglos wegen eines Titelbildes, das das für schrille Outfits und ihre persönliche Nähe zum BDSM bekannte Model Grace Jones in Ketten zeigte und von Helmut Newton stammte. Im November 1993 warf Emma Newton erneut vor, seine Fotos seien nicht nur sexistisch und rassistisch, sondern auch faschistisch. Als Beleg führte sie 19 seiner Bilder an. Emma druckte die entsprechenden Bilder ohne Genehmigung in einer Ausgabe ab, was zu einer Klage des deutschen Verlags Schirmer & Mosel mit Billigung Helmut Newtons wegen vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung gegen den Emma-Verlag führte. [5]

Des Weiteren thematisiert Emma immer wieder (selbst)kritisch die Kontroversen innerhalb der modernen Frauenbewegung, oder frauenkritische Themen (zum Beispiel „Missbrauch mit dem Missbrauch“, Wehrpflicht für Frauen). Dadurch machte sie sich auch bei vielen Feministinnen unbeliebt.

Seit 1990 wird der von Alice Schwarzer initiierte Emma-Journalistinnen-Preis vergeben.

Bearbeiten Kritik

Die schärfste Kritik bekam und bekommt Emma immer wieder aus den Reihen der Frauenbewegung. Es wird ihr vorgeworfen, ohne entsprechende Legitimation als „Sprachrohr“ für die Frauenbewegung fungieren zu wollen und auf diese Weise die öffentliche Aufmerksamkeit für Frauenthemen einseitig zu monopolisieren. Insbesondere die Tatsache, dass die Linie Schwarzers in der deutschsprachigen Öffentlichkeit als die Frauenbewegung schlechthin wahrgenommen wird, stößt vielen sowohl radikalen als auch differenzialistischen Feministinnen sauer auf. Kritik wird aber auch an einzelnen Sparten der Zeitschrift geübt. So wird den in Emma abgedruckten Witzen Sexismus gegen Männer vorgeworfen.

Bearbeiten Usenet-Kampagne 1991/92

In der Ausgabe Dezember 1991 berichtete Emma über Pornographie im Usenet, welches zur damaligen Zeit in Deutschland fast ausschließlich über Universitäts-Server verteilt wurde. Emma leitete daraus einen „Porno-Skandal“ her, demzufolge (laut Emma ausschließlich männliche) Professoren und Studenten die Computertechnik der Universitäten dazu missbrauchten, Pornographie zu konsumieren. Dabei argumentierte Emma, dass diese Daten Bandbreite und Speicherplatz auf steuerfinanzierter Infrastruktur für universitätsfremde Zwecke bänden. Emma wies dabei ablehnend auf sadomasochistische Pornographie hin und belegte dies mit einem Bild von Dolcett [6]. Ein weiteres Argument lautete, dass weibliche Kollegen und Kommilitonen sich von dem unterstellten Pornographiekonsum in den Räumen der Unis belästigt fühlten. [7]

In der Folge dieser Veröffentlichung sind andere Medien – darunter die Taz, der Südwestfunk und der Süddeutsche Rundfunk – auf die von Emma unterstellten Tatsachen und kritischen Folgerungen eingegangen und haben in ähnlichem Tenor berichtet. In der weiteren Folge wurde durch die Medienberichterstattung erreicht, dass mehrere Universitäten aus dem bisher unzensiert weitergeleiteten Usenet bestimmte Gruppen sperren ließen. In einigen Fällen betraf das auch Foren, die nicht der Verbreitung von Pornographie dienten, sondern Diskussionsforen für sexuelle Minderheiten waren. [7][8]

Emma wurde in den folgenden Wochen für diese Kampagne aus dem deutschen Usenet stark kritisiert, da sie nach Meinung der Teilnehmer Zensur gefordert und dank ihres Einflusses auch durchgesetzt habe. Ein weiterer Vorwurf war, dass Emma und die anderen beteiligten Medien die Nutzungsstrukturen des Usenet verzerrt dargestellt und die Nutzer dieses Netzes diffamiert hätten. [7]

In der Ausgabe Februar 1992 antwortete Emma in einem zweiten Artikel auf die zuvor stattgefundene Diskussion im Usenet und griff darin auch einzelne Beiträge auf. Auch hierauf gab es Reaktionen der Usenet-Teilnehmer, in denen außer den vorgenannten Kritikpunkten der Vorwurf der absichtlichen Fälschung zitierter Diskussionsbeiträge hinzukam. [7]

Bearbeiten Internetaktivitäten

Nachdem die Publikation die Möglichkeiten der neuen Medien jahrelang überwiegend im Rahmen von Bedrohungsszenarien dargestellt hatte, entwickelt sie schließlich im Jahr 2002 unter der Domain emma.de einen eigenen Internetauftritt.[9] Zum Start des Angebots forderte die Zeitschrift ihre Leserinnen auf, heimlich die Computer ihrer Partner und Söhne nach Pornografie zu durchsuchen und gab hierzu detaillierte Anweisungen und Weblinks. Weiterhin wurde die heimliche Installation von Überwachungsprogrammen vorgeschlagen, während sie gleichzeitig betonte, dass ein solches Vorgehen illegal sein könne.[9] In den zum Webangebot gehörenden Foren protestierten in Folge Leserinnen gegen die unterstellte technische Unmündigkeit. Im weiteren Verlauf forderten insbesondere jüngere Frauen und engagierte Sadomasochistinnen mittels des neuen Mediums einen erneuten Diskurs zum den Themen Sexualität, Pornografie und Sadomasochismus. Die Publikation reagierte, indem sie einen Text der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich-Nielsen zum Wesen der masochistischen Frau aus dem Jahr 1977 online stellte.[10] An der geforderten Diskussion auf Grundlage aktueller Literatur nahm sie, nach Eigenangaben aus Auslastungsgründen, nicht teil [11].

Bearbeiten Position zum Sadomasochismus

Die in der Zeitschrift publizierten Standpunkte zu BDSM decken sich zum Teil mit den Anfang der 1970er Jahre vertretenen Thesen der amerikanischen National Organization for Women (NOW). Diese gab 1999 ihre Ablehnung von BDSM auf und tritt seitdem für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ein, die Emma im Zusammenhang mit BDSM ablehnt. Wiederholt wurden weiblichen Sadomasochistinnen ihr Recht auf eine selbstgewählte Sexualität abgesprochen.[12]

Zahlreiche Sadomasochistinnen, darunter auch solcher, die sich selbst als Feministen verstehen, fühlten sich durch Schwarzers Thesen angegriffen und reagierten mit deutlicher Kritik auf die wiederholt vertretenen Standpunkte. In den Werken von Sina-Aline Geißler, Kathrin Passig und Ira Strübel wird dargelegt, dass SM eine Form der Selbstbestimmung darstellt, wie sie der Feminismus eigentlich fordern sollte.

Auch auf die in der Zeitschrift in der Regel nicht thematisierten bzw. ausdrücklich in Frage gestellten Realitäten wie BDSM im homosexuellen Kontext, beispielsweise feministische sadomasochistische Lesbengruppen wie Samois sowie freiwillige und lustvolle weibliche Submissivität und FemDom, wird immer wieder hingewiesen. Während die Zeitschrift die entsprechende amerikanische Diskussion im Zusammenhang mit lesbischen Sadomasochistinnen selektiv widerspiegelte, werden Gegenpositionen, wie beispielsweise die Gayle Rubins und Pat Califias, von ihr nicht dargestellt.

Die Aussagen der Zeitschrift insbesondere im Rahmen der PorNo-Kampagne wurden seitens weiblicher und männlicher BDSMer als diskriminierend empfunden und von mehreren Autoren kritisiert. [13] Einige ihrer bekanntesten Zitate in diesem Zusammenhang sind:

„Der Sadomasochismus ist nicht grenzüberschreitend. Er kommt direkt aus den Kellern der Inquisition

EMMA [14]

Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch Männer ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind““

EMMA[15]

Bearbeiten Name

Zum Namen sagte Herausgeberin Alice Schwarzer:

Der war irgendwann mal aufgetaucht und gefiel uns. Nicht nur wegen der Anspielung auf die Em(m)anzipation, sondern auch, weil er das selbstironische Gegenteil vom platt Erwarteten war: Wie würde sie wohl heißen, diese Zeitschrift der jetzt vollends größenwahnsinnigen Schwarzer? Nora? Die Rächerin? Die Amazone? Nein. Emma. Ganz einfach Emma.

Bearbeiten Siehe auch

Bearbeiten Vergleichbar mit

Bearbeiten Quellen

  1. Quelle: IVW Seit dem 1. Juli 2007 wird der Titel der IVM nicht mehr gemeldet, vgl. Datenbank des IVW
  2. Spiegel Online:Moderatorin Lisa Ortgies übernimmt“, 07. Dezember 2007
  3. FAZ.NET:Die neue Alice Schwarzer heißt Lisa Ortgies“, 07. Dezember 2007
  4. Velten Schäfer: Die Gottseibeiuns a.D. – 30 Jahre „Emma“: Hat Alice Schwarzer die „Sex Wars“ verloren?, Neues Deutschland (27. Januar 2007), online unter nd-online.de
  5. vgl. Der Spiegel: Alice in Newton-Land, Nr. 30, 1994, S. 92-94
  6. "Der Papiertiger"
  7. a b c d Archive der Usenet-Diskussion von 1991, enthalten Meinungsäußerungen von Netzteilnehmern und Volltexte der EMMA-Artikel: Gesamt-Thread, Redigiert als Webseite
  8. vgl. Arne Hoffmann: Das Lexikon des Sadomasochismus. Der Inside-Führer zur dunklen Erotik: Praktiken und Instrumente, Personen und Institutionen, Literatur und Film, Politik und Philosophie., S. 343. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2000 - ISBN 3-896-022-903
  9. a b Ernst Corinth: Emma und Alice Schwarzer sind online, telepolis, 4. Dezember 2002, online unter heise.de
  10. vgl. Reaktion einer Leserin auf obige Anleitung
  11. Rosaria Schlichte: EMMA-Leserinnen proben den interaktiven Aufstand, telepolis, 16. April 2003, online unter heise.de
  12. vgl. Arne Hoffmann: Das Lexikon des Sadomasochismus., S. 82, S.342ff.
  13. vgl. Arne Hoffmann: Das Lexikon des Sadomasochismus., S. 342ff., sowie Kay Solokowsky: Whow the fuck ist Alice? Was man wissen muss um Alice Schwarzer vergessen zu können, Bittermann, 2002, ISBN 3893200290, ebenso Bascha Mika: Alice Schwarzer. Eine kritische Biographie. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3499607786
  14. Emma, Mai/Juni 1998
  15. Alice Schwarzer, Emma, Heft 2, 1991

Bearbeiten Literatur

  • Alice Schwarzer: Emma. Die ersten 30 Jahre. München 2007: Kollektion Rolf Heyne.

Bearbeiten Weblinks

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